Klimaschutz schafft Arbeit: Umweltwirtschaft in Nordrhein-Westfalen wächst auf 650.000 Beschäftigte
© Shutterstock / Sutthiphong Chandaeng

Klimaschutz schafft Arbeit: Umweltwirtschaft in Nordrhein-Westfalen wächst auf 650.000 Beschäftigte


Grüne Technologien schaffen neue wirtschaftliche Chancen, attraktive Arbeitsplätze und neue Exportmärkte. Das sind die Ergebnisse des diesjährigen Umweltwirtschaftsberichtes für Nordrhein-Westfalen, den Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und Umweltminister Oliver Krischer in Düsseldorf vorgestellt haben. Demnach entstehen besonders dynamische Entwicklungschancen in den Bereichen Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft und Klimafolgenanpassung. Welche Berufe besonders gefragt sind und wo zusätzlicher Fachkräftebedarf entsteht, stellte das Wirtschaftsforschungs-Institut Prognos erstmals in einer begleitenden Studie vor. Darin errechneten die Forscher den zusätzlichen Fachkräftebedarf bis 2035 – insbesondere in Berufen, die für den Ausbau von Wind- und Solarenergie, Stromnetzen, Speichern, klimafreundlicher Mobilität und Gebäuden gebraucht werden.

Insgesamt stieg die Zahl der Arbeitsplätze in der Umweltwirtschaft in Nordrhein-Westfalen seit 2010 um rund 134.000 auf insgesamt 650.000 Beschäftigte. Das entspricht einem Wachstum von rund 26 Prozent. Zur Umweltwirtschaft zählen Unternehmen aus Branchen, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen nachhaltig zum Schutz der Umwelt beitragen. Dazu gehören die Kreislaufwirtschaft, erneuerbare Energien und umweltfreundliche Technologien für Energiewandlung, -transport und -speicherung, für mehr Energieeffizienz, die Wasserwirtschaft und umweltfreundliche Mobilität. Auch die nachhaltige Land- und Forstwirtschaft sowie Technologien und Dienstleistungen zur Vermeidung und Minderung von Umweltbelastungen zählen dazu.

Mona Neubaur: „Wer in Nordrhein-Westfalen Klimaschutz macht, schafft Arbeitsplätze und sichert Wohlstand. 650.000 Menschen arbeiten bei uns in der Umweltwirtschaft. Das sind mehr, als die Landeshauptstadt Düsseldorf Einwohner hat. Sie dämmen Gebäude, recyceln Stahl und Kunststoff, entwickeln Filter- und Messtechnik. Und wir brauchen noch viel mehr von ihnen. Denn eine Wärmepumpe baut sich nicht alleine ein. Deshalb fördern wir gezielt Fortbildungen im Handwerk. Wer morgen Transformation will, muss heute in Menschen investieren.“

Fachkräftelücken bis 2035

Aufgrund des zu erwartenden Wachstums der Branche erwarten die Wirtschaftsforscher einen Mehrbedarf an Arbeitskräften in der Umweltwirtschaft in Nordrhein-Westfalen von mehr als 180.000 bis 2035. Darunter sind Fachkräfte wie Metallbauer und Elektrotechniker ebenso wie unspezialisierte Bürokräfte oder Kraftfahrer, die für die Logistik von Material- und Stoffströmen sorgen. Insgesamt ist die Umweltwirtschaft stark von Menschen in Ausbildungsberufen geprägt: 63 Prozent der Beschäftigten haben eine abgeschlossene Berufsausbildung von mindestens zwei Jahren, zwölf Prozent sind Spezialisten mit Meister-, Techniker oder Bachelorqualifikation und zehn Prozent sind Expertinnen und Experten mit einem Hochschulabschluss. Im Vergleich zur Gesamtwirtschaft ist der Anteil der ungelernten Kräfte geringer, der Anteil von Beschäftigen mit Ausbildungsberufen höher.

Oliver Krischer: „Die Umweltwirtschaft ist nicht nur ein wichtiger Wachstumsmotor für Nordrhein-Westfalen, sie eröffnet auch zunehmend attraktive und sinnstiftende Berufsperspektiven. Wer heute über die Berufswahl nachdenkt, sollte diese Chancen im Blick haben. Wer in der Umweltwirtschaft arbeitet, gestaltet die Zukunft aktiv mit.“

Nachfrage in Technologien für klimaneutrale Wirtschaft

Der Bericht zeigt auch, dass insbesondere in Berufen, die für den Ausbau von Wind- und Solarenergie, Stromnetzen, Speichern, klimafreundlicher Mobilität und Gebäuden gebraucht werden, ein erheblicher Teil der Arbeitskräftenachfrage ungedeckt bleiben könnte. Besonders groß ist die prognostizierte Lücke bei Fachkräften für Führung, technisches Zeichnen, Konstruktion und Modellbau mit 40 Prozent, gefolgt von Fachkräften in der Kraftfahrzeugtechnik mit 24 Prozent, im Rohrleitungsbau mit 23 Prozent sowie in der technischen Produktionsplanung und Steuerung mit 18 Prozent. Auch in Bau-, Installations- und Elektroberufen werden Engpässe von bis zu 17 Prozent erwartet.

Tim Bichlmeier, Projektleiter des Bereichs Klima, Ressourcen, Resilienz bei der Prognos AG: „Wenn diese Arbeitskräfte fehlen, kann das den Ausbau von Energie-, Verkehrs- und Infrastrukturprojekten erheblich bremsen“.

Aus- und Weiterbildung sind deshalb entscheidend. Die Landesregierung unterstützt bereits heute die Weiterqualifizierung in Bereichen, in denen Fachkräfte für die Transformation gebraucht werden:

  • Eine praxisnahe Berufsorientierung ist für junge Menschen besonders wichtig. Mit dem Ferienpraktikum.NRW können Betriebe und Jugendliche unkompliziert über eine Onlineplattform zueinanderfinden.
  • Außerdem werden 2027 die EuroSkills in Düsseldorf stattfinden. Diese durch Landes- und Bundesmittel geförderte Olympiade der Berufe wird einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der beruflichen Bildung leisten, denn bis zu 150 000 Schülerinnen und Schüler werden erleben wie innovative und vielfältige Ausbildungsberufe heute sind.
  • Mit der Bildungsprämie Wärmepumpe fördert die Landesregierung Fortbildungen zur Planung, Errichtung und dem Betrieb von Wärmepumpen-Heizungsanlagen für alle in Nordrhein-Westfalen ansässigen Handwerksbetriebe, die Mitglied einer örtlichen Handwerkskammer sind und in den entsprechenden Berufsgruppen der Sanitär-, Heizungs- und Klimabetrieben sowie in Kälte- und Klimaanlagenbetrieben beschäftigen.
  • Eine starke Umweltwirtschaft und eine gesicherte Fachkräftebasis sind ein Beitrag zu Resilienz unserer Wirtschaft. Deshalb ist es auch das Leitthema des Fachkräftekongress der Landesregierung im Dezember.

Ausblick: Greentech und Gründungen stärken

Das Land Nordrhein-Westfalen verstärkt das Engagement für zukunftsfähige Jobs in der Umweltwirtschaft und bietet damit attraktive Karrieremöglichkeiten. Sie beschreibt derzeit die Wachstumspfade an den Schnittstellen veränderter wirtschaftlicher, technologischer, geopolitischer, gesellschaftlicher und ökologischer Bedingungen.

Den Rahmen setzt die Innovationsstrategie, die in diesem Jahr veröffentlicht wird. Sie setzt auf Zukunftsthemen wie die verantwortungsvolle Nutzung von Künstlicher Intelligenz, neue Lösungen für eine klimaneutrale und zirkuläre Wirtschaft, innovative Ansätze für eine vernetzte und nachhaltige Mobilität und die Stärkung ökologischer und gesellschaftlicher Resilienz. Die Unternehmen der Umweltwirtschaft werden einen wichtigen Beitrag dazu leisten, aus diesen Zukunftsthemen konkrete Marktchancen zu entwickeln. Die Sicherung des Fachkräftenachwuchses spielt eine ebenso bedeutende Rolle.


Share