Konzept für mehr Kinderschutz und Kinderrechte: In Lebensläufen denken, nicht in Legislaturperioden
© KSB NRW / Marius Becker

Konzept für mehr Kinderschutz und Kinderrechte: In Lebensläufen denken, nicht in Legislaturperioden


Kinder und Jugendliche sollen in Nordrhein-Westfalen noch besser geschützt, gehört und beteiligt werden. Die Beauftragte für Kinderschutz und Kinderrechte Petra Ladenburger hat dazu am Montag, 12. Oktober 2026, in Düsseldorf ihr Konzept für die Zeit bis Ende 2027 vorgestellt. Unter anderem sollen Kinder und Jugendliche die Beauftragte in ihrer Arbeit beraten. Daneben wird es einen ersten NRW-Kinderrechte-Gipfel und ein jährliches Lagebild zu den Themen Kinderschutz und Kinderrechte geben.

„Wer Politik für Kinder und Jugendliche macht, muss in Lebensläufen denken und nicht in Legislaturperioden. Ich habe in den vergangenen Monaten mit vielen Kindern und Jugendlichen gesprochen. Drei Dinge höre ich immer wieder: Sie wollen von Erwachsenen ernst genommen werden. Sie brauchen Orte, an denen sie sich mit Freundinnen und Freunden treffen können. Sie wünschen sich ein Leben ohne Armut. Hier muss Politik handeln. Unser Konzept ist dabei ein wichtiger Baustein, um Kindern und Jugendlichen die Aufmerksamkeit zu geben, die ihnen zusteht“, so die Beauftragte Petra Ladenburger.

Die acht Punkte des Konzepts für mehr Kinderschutz und Kinderrechte in Nordrhein-Westfalen sind im Einzelnen:

1. Kinder und Jugendliche beraten die Beauftragte für Kinderschutz und Kinderrechte

Das Amt der Beauftragten wird künftig durch junge Menschen begleitet. Dadurch können Kinder und Jugendliche ihre Erwartungen und Wünsche an die Landespolitik unmittelbar adressieren.

2. Erster Kinderrechte-Gipfel in Nordrhein-Westfalen

Wie können Kinderrechte in Politik und Gesellschaft noch besser umgesetzt und berücksichtigt werden? Um diese Frage zu diskutieren, lädt die Beauftragte Petra Ladenburger Kinder und Jugendliche aus ganz Nordrhein-Westfalen sowie Akteurinnen und Akteure der Kinder- und Jugendhilfe, Wissenschaft und Politik zum ersten NRW-Kinderrechte-Gipfel ein. Der Gipfel wird Ende 2027 stattfinden.

3. Kurzfilmwettbewerb zum Thema „Zukunft“

Um noch mehr über die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen zu erfahren, wird es im kommenden Jahr einen Kurzfilmwettbewerb zum Thema „Zukunft“ geben. Dabei können sie die Erwachsenen auf kreative Weise in ihre Gedankenwelt mitnehmen.

4. Jährliches Lagebild „Kinderschutz und Kinderrechte“

Ab 2027 wird es ein jährliches Lagebild geben, das die Themen Kinderschutz und Kinderrechte ausführlich beleuchtet. Erfasst werden sollen hierbei auch relevante Entwicklungen und Phänomene. Damit bekommen die Themen die Aufmerksamkeit, die sie verdienen.

5. Studie zum finanziellen Nutzen von Investitionen in Präventionsarbeit

Prävention ist Kinderschutz und darf nicht Spielball haushaltspolitischer Diskussionen sein. Bislang ist für Nordrhein-Westfalen noch nicht systematisch erforscht, welchen finanziellen Nutzen Investitionen in Präventionsangebote langfristig haben. Deshalb wird es im kommenden Jahr eine Studie geben, die sich mit dieser Frage beschäftigt. Vieles spricht dafür, dass Prävention auch finanziell sinnvoll ist. Die Studie soll dafür erstmals eine verlässliche Datengrundlage schaffen.

6. Folgen neuer Gesetze für Kinder und Jugendliche überprüfen („Gesetzes-Check“)

Die Landespolitik hat konkrete Auswirkungen auf das Leben von jungen Menschen. Bei Gesetzesvorhaben müssen die Folgen für sie standardisiert mit einem „Gesetzes-Check“ erfasst werden – so wie dies für finanzielle Auswirkungen von Gesetzesvorhaben auf den Landeshaushalt schon lange der Fall ist. Die Beauftragte für Kinderschutz und Kinderrechte wird dazu innerhalb der Landesregierung Gespräche führen.

7. Flächendeckende Öffnung von Schulhöfen nach Schulschluss 

Kindern und Jugendlichen fehlen Orte, an denen sie sich treffen und miteinander Zeit verbringen können. Aus diesem Grund sind die Kommunen aufgefordert, Schulhöfe nach Schulschluss zu öffnen. Die Beauftragte Petra Ladenburger setzt sich dafür ein, dass Kommunen dies flächendeckend umsetzen.

8. Stärkung von Fachkräften im Umgang mit Kindern und Jugendlichen aus Familien mit menschenfeindlichen Ideologien

Wenn Kinder und Jugendliche zu Hause lernen, dass Menschen unterschiedlich viel wert sind und mit gewaltfördernden oder demokratiefeindlichen Weltbildern aufwachsen, müssen Fachkräfte besonders geschult sein – sei es im Jugendamt, in der Kita, der Schule oder in offenen Angeboten. Die Beauftragte für Kinderschutz und Kinderrechte wird sich dafür einsetzen, dass dieses Thema in Ausbildung, Studium und Fortbildung von Fachkräften berücksichtigt wird.

Das Konzept für mehr Kinderschutz und Kinderrechte wird kontinuierlich fortentwickelt. Daneben fließen auch aktuelle Themen und Entwicklungen in die Arbeit der Beauftragten ein.

Petra Ladenburger ist seit Februar 2026 im Amt und die erste Beauftragte für Kinderschutz und Kinderrechte des Landes Nordrhein-Westfalen. Sie ist Teil der Landesregierung, aber in ihrer Arbeit unabhängig. Zu ihren Aufgaben gehört unter anderem, sich für die Belange von Kindern und Jugendlichen einzusetzen und neue Ideen in die Landespolitik einzubringen. Daneben wird sie Beteiligungsformate schaffen und mehr Vernetzung von Praxis, Wissenschaft, Politik und Verwaltung fördern. Das gilt unter anderem auch für erwachsene Betroffene von Gewalt in der Kindheit.

Weitere Informationen zur Arbeit der Beauftragten für Kinderschutz und Kinderrechte finden Sie unter: www.kinderschutzbeauftragte.nrw.de.


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