Expert*innen sind sich einig: Um die aktuellen Herausforderungen in der
Gesundheitsversorgung zu lösen, muss die Politik Prävention stärken und eine
gesunde, biodiverse Umwelt fördern. Denn das löst mehrere Probleme auf
einmal: Menschen bleiben physisch und psychisch gesünder und die Kosten für
das Gesamtsystem sinken. Konkrete Beispiele, wie das funktioniert,
diskutierten auch in diesem Jahr wieder Branchenvertreter*innen auf der
WeACT Con, dem Forum für Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen.
„Aktuell stehen andere Krisen stärker im Fokus als die ökologische. Gerade
deswegen müssen wir aber am Ball bleiben. Denn Nachhaltigkeit ist keine
zusätzliche Aufgabe, sie ist Teil der Lösung“, erklärt Dr. Sandra Kluge,
Unternehmenssprecherin bei Chiesi Deutschland und Mitinitiatorin der
WeACT Con. „Denn ein nachhaltigeres Gesundheitswesen wäre auch resilienter
gegenüber den aktuellen Herausforderungen”, so Kluge weiter.
Investitionen in Prävention sind das beste Mittel, um mittelfristig Kosten zu
sparen, machten die Referierenden auf der WeACT Con deutlich. So ist
beispielsweise in Studien gut untersucht, dass Kinder, die in einer biodiversen
Natur aufwachsen, später weniger Allergien oder Autoimmunkrankheiten
entwickeln. Welche weiteren gesundheitlichen Risiken durch Klimawandel und
Naturverlust entstehen – aber auch, wie wir uns dagegen schützen können,
erklärten auf der WeACT Con unter anderem Kerstin Blum, Geschäftsführerin
der Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen, Katharina van Bronswijk,
Sprecherin der Psychotherapists for Future und Prof. Dr. Claudia TraidlHoffmann, Deutschlands führende Expertin für Umweltmedizin, Klimaresilienz
und Prävention. Sie gehörten zu den über 30 Referierenden des Kongresses.
Ob Deutschland eine gute Gesundheitsfürsorge hat, entscheidet sich allerdings
nicht nur im Gesundheitswesen. Darauf machte Dr. Rüdiger Krech
aufmerksam, seit 2025 kommissarischer Direktor bei der WHO. Ebenso wichtig sei, wie wir Wohnungen bauen, Finanzpolitik planen oder Schulen organisieren.
Gesundheitsschutz sieht er daher als eine sektorübergreifende Aufgabe.
Serdar Yüksel (SPD), Mitglied des Bundesgesundheitsausschusses, sprach sich
in der abschließenden Podiumsdiskussion dafür aus, dass die Gelder aus der
Tabaksteuer sowie aus der geplanten Zuckerabgabe und Brandweinsteuer, in
die Gesundheitsförderung und Prävention fließen sollten.
In den vielfältigen Workshops und Symposien des Kongresses wurden konkrete
Lösungen diskutiert und vorgestellt. So stellten unter anderem Dr. Matthias
Albrecht (Geschäftsführer KLUG), Martin König (BKK Dachverband) und
Dorothea Baltruks (Centre for Planetary Health Policy) die Initiative UKAM vor.
Diese entwickelt praxisnahe Leitfäden für umwelt- und klimafreundliche
Arzneimittel-Anwendungen.
Elke Ruppert (SBK Siemens-Betriebskrankenkasse), Dr. Vera Hagemann (SBK
Siemens-Betriebskrankenkassen) und Jenny Kossian (Gesundheitswissenschaftlerin) erläuterten die Rolle von Rabattverträgen für die nachhaltige
Arzneimittelversorgung und diskutierten am konkreten Beispiel des Pflegebetts
die Möglichkeiten von Kreislaufwirtschaft und Recycling. Dirk Weller (Barmer),
Lorena Kunert (Barmer), Dr. Carolin Baedeker (Wuppertal Institut) und Dr.
Beate Bokhof (Gesundheitswissenschaftlerin) entwickelten gemeinsam mit den
Teilnehmenden Empfehlungen für eine klimaresiliente Gesundheitsprävention
im urbanen Raum.
Die WeACT Con hat in diesem Jahr zum vierten Mal in Folge stattgefunden. Sie
bringt Entscheider*innen aus Kliniken, Krankenkassen, Politik, Wirtschaft und
Wissenschaft zusammen und hat sich zur wichtigsten Netzwerkveranstaltung
für alle entwickelt, die sich für ein nachhaltiges und zukunftsorientiertes
Gesundheitswesen einsetzen.
Im kommenden Jahr findet die WeACT Con am 2. und 3. Juni 2027 statt.







