Naturschutz über Ländergrenzen hinweg: Zehn Jahre LIFE-Projekt „Atlantische Sandlandschaften“
© iStock.com / Markus Wegmann

Naturschutz über Ländergrenzen hinweg: Zehn Jahre LIFE-Projekt „Atlantische Sandlandschaften“


Zehn Jahre lang haben Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gemeinsam Heiden, Moore und Dünen geschützt und entwickelt. Bei der Abschlussveranstaltung des EU-LIFE-Projekts „Atlantische Sandlandschaften“ zogen beide Länder Bilanz: Seit 2016 haben sie 196 Maßnahmen für 15 Lebensraumtypen und zehn Fokus-Arten der atlantischen Region umgesetzt, 80 davon in Nordrhein-Westfalen. Dort lag der Schwerpunkt auf den Mooren. Das Gesamtbudget beträgt rund 16,8 Millionen Euro.

„Kröten, Eidechsen oder Libellen halten sich nicht an Landesgrenzen und genauso wenig darf es der Naturschutz. Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen haben zehn Jahre lang gemeinsam gezeigt, was das bringt: Wir haben Moore, Heiden und Dünen für seltene Arten aufgewertet. Das gelingt nur mit Menschen, die vor Ort anpacken, und mit Geld, auf das sie sich verlassen können“, betonte Staatssekretär Viktor Haase.

Dies wird auch von Niedersachsens Umwelt-Staatssekretärin Anka Dobslaw unterstützt: „Das LIFE Projekt Atlantische Sandlandschaften zeigt deutlich, wie eine langjährig gesicherte Finanzierung Naturschutzprojekte erfolgreich voranbringen kann. Ich danke allen Beteiligten für ihren Einsatz und das Herzblut, das hier investiert wurde.“

Die atlantische Region umfasst in Deutschland rund 70.000 Quadratkilometer, große Teile davon in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Entwässerung, Nährstoffeinträge, invasive Arten und der Klimawandel setzen die Lebensräume unter Druck. Das Projekt hat deshalb unter anderem trockene und feuchte Heiden, Borstgrasrasen, Dünen und verschiedene Moorlebensräume aufgewertet. Bei den Arten standen unter anderem. die Knoblauchkröte, die Kreuzkröte, der Moorfrosch, die Zauneidechse und die Große Moosjungfer im Vordergrund.

In Nordrhein-Westfalen wurden beispielsweise in der Ohligser Heide in Solingen ein neues Stillgewässer für die Große Moosjungfer angelegt oder im Further Moor der Moorlebensraum verbessert. Der Fokus auf die Moorlebensräume erklärt sich dadurch, dass Moore wichtige Kohlenstoffspeicher sind und für seltene Arten Rückzugsräume bilden. Für den weiteren Moorschutz und potentielle Wiedervernässungen wurde durch den neuen Mooratlas Nordrhein-Westfalen eine aktuelle Datengrundlage erarbeitet. Nach Angaben des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima (LANUK) könnten demnach in Nordrhein-Westfalen potenziell bis zu 38.000 Hektar Moorböden wiedervernässt werden.

Das Projekt hat außerdem die Erhaltungszucht der Knoblauchkröte fortgesetzt, die das Vorgängerprojekt „Schutz der Knoblauchkröte in Teilen des Münsterlandes“, ebenfalls ein LIFE-Projekt, aufgebaut hatte. Die Nachzuchten wurden in mehreren Gebieten wiederangesiedelt.

Seit 1997 hat Nordrhein-Westfalen 42 LIFE-Naturschutzprojekte mit Landesmitteln kofinanziert. Bei den „Atlantischen Sandlandschaften“ trägt das Umweltministerium das Projekt erstmals selbst. Für die kommende EU-Förderperiode setzen sich Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen dafür ein, dass LIFE ein eigenständiges Förderinstrument für den Natur- und Umweltschutz bleibt.

In Niedersachsen hat der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) im Auftrag des Umweltministeriums das Projekt betreut und 116 Naturschutzvorhaben in die Fläche gebracht. So auch in der Steller Heide im Landkreis Diepholz, wo kleinflächige Binnendünen wieder freigelegt wurden. Alle Vorhaben sind an Partner vor Ort gebunden, welche die Flächen auch zukünftig pflegen und entwickeln werden. Dies sind die zum Beispiel die Unteren Naturschutzbehörden, ökologische Stationen, die Niedersächsischen Landesforsten oder Naturschutzverbände. Der NLWKN hat die Partner hierbei als Fachbehörde für Naturschutz beraten und bei Planung, Ausschreibung, Umsetzung und Monitoring unterstützt.


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