Restaurierung der historischen Glasfenster
© Bottrop/ Restaurierung der historischen Glasfenster

Restaurierung der historischen Glasfenster


Die historischen Bleiglasfenster im Haupttreppenhaus des Bottroper Rathauses werden umfassend restauriert. Sie stammen aus dem Jahr 1912 und wurden damals von der im selben Jahr gegründeten Paderborner Werkstatt Otto Peters geschaffen. Dieser hatte die „Westfälische Kunstanstalt für Glasmalerei und Kunstverglasung, Renovierung alter Glasmalereien“ aufgebaut. Wie der Technische Beigeordnete Klaus Müller erläutert, existiert das Unternehmen immer noch – mittlerweile in vierter Generation – in Paderborn. „Wir haben nun die besondere und schöne Situation, dass wir die Restaurierung in die Hände dieser Fachfirma legen können. Auch für das Unternehmen ist es ein besonderer Auftrag. Um die wertvollen Kunstwerke langfristig zu erhalten, werden sie nun sorgfältig aufgearbeitet und künftig durch eine zusätzliche Schutzverglasung vor Witterungseinflüssen und Feuchtigkeit geschützt.“
Die Vorbereitungen für die Sanierung haben in der vergangenen Woche (7. Oktober) begonnen. Zunächst hat eine Fachfirma die Fensterflügel ausgebaut. Die Rahmen werden jetzt in einer Tischlerei in Wuppertal sorgsam „entlackt“ und mit Leinöl behandelt. Nach diesem Teil der Restaurierung werden die einzelnen Farbgläser aus ihren Bleifassungen herausgenommen. Nach der Reinigung werden die Glasflächen malerisch ergänzt und Farbverluste behutsam rekonstruiert. Anschließend werden die restaurierten Gläser wieder in Bleifassungen zusammengesetzt.
Neben den Glasmalereien werden auch die hölzernen Fensterkonstruktionen und die mechanischen Bauteile umfassend aufgearbeitet. Die fest verbauten Fensterelemente werden vor Ort behandelt. Dies geschieht vom Treppenhaus aus beziehungsweise von außen über ein bereits vorhandenes Gerüst.
Ein wesentlicher Bestandteil der Sanierung ist der Einbau einer zusätzlichen Schutzverglasung. Die historischen Farbgläser erhalten eine innenliegende Außenschutzverglasung mit Belüftung. Diese Konstruktion soll die empfindlichen Glasmalereien vor Feuchtigkeit schützen und dazu beitragen, ihren Zustand langfristig zu sichern.
Mit der Restaurierung wird eine der letzten noch nicht sanierten historischen Ausstattungen des Rathauses vorgenommen. Die Maßnahme erfolgt in Abstimmung mit der Bezirksregierung Münster und wird durch das Land Nordrhein-Westfalen gefördert.
Die Arbeiten sollen bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 260.000 Euro.
Zum Hintergrund
Die Bleiglasfenster sind weit mehr als ein dekoratives Element des Rathauses. Die Motive bilden ein zusammenhängendes Bildprogramm, das sich beim Treppenaufstieg von Ebene zu Ebene erschließt. Mythologische Figuren, Sinnbilder menschlicher Tugenden und Symbole des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens verbinden sich zu einem kunstvollen Zeugnis ihrer Entstehungszeit.
Ein Motiv zeigt beispielsweise Fortuna, die Glücks- und Schicksalsgöttin. Auch Hermes als Beschützer von Handel und Verkehr ist zu sehen. Weitere Motive wie ein Bienenkorb stehen für Fleiß und Gemeinschaft, während Symbole der Eintracht das Bildprogramm ergänzen.
Auch die Geschichte Bottrops und die industrielle Entwicklung sind in den Darstellungen zu finden. Förderturm sowie Amboss und Zange verweisen auf die wirtschaftlichen Grundlagen der Stadt. Motive wie Vasen, das Auge und der Löwe zeigen darüber hinaus typische Gestaltungselemente und Symboliken, wie sie unter anderem aus dem Jugendstil und dem Biedermeier bekannt sind.
Auf der dritten Ebene der Glasfenster stehen menschliche Eigenschaften und moralische Werte im Mittelpunkt. Dazu zählen die vier Kardinaltugenden Tapferkeit, Mäßigung, Weisheit und Gerechtigkeit. Das Bildprogramm verbindet damit persönliche Haltung und gesellschaftliche Ordnung mit dem Selbstverständnis einer Stadt im Wandel.
Mit der Restaurierung wird dieses besondere Ensemble nicht nur handwerklich gesichert, sondern auch als bedeutendes Zeugnis der Bottroper Stadt- und Kulturgeschichte für kommende Generationen bewahrt.


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