Kontakte haben Unternehmen genug. Nachrichten auch. Was fehlt, sind relevante Geschäfte. Genau das will swipecor ändern. Die neue deutsche B2B-Plattform stellt nicht den Menschen, sondern das Unternehmen in den Mittelpunkt – und lässt einen KI-Agenten nach Kunden, Mitarbeitern, Partnern und Lösungen suchen.
LinkedIn kennt jeder. Google sowieso. WhatsApp, CRM, E-Mail, Xing, Instagram, Messen, Unternehmerclubs, Leadportale und zahllose andere digitale Werkzeuge ebenso. Eigentlich müsste es für Unternehmen heute einfacher sein als jemals zuvor, neue Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten und Geschäftspartner zu finden. Eigentlich. Die Realität sieht häufig anders aus. Unternehmer googeln. Mitarbeiter recherchieren. Vertriebsabteilungen kaufen teuer Adressen. Recruiter durchsuchen Profile. Menschen schreiben Nachrichten an Menschen, die sie nicht kennen. Sie schicken Präsentationen. Sie fassen nach. Und noch einmal. Und manchmal noch ein drittes Mal. Vergebens.
Dabei wächst vor allem eines: die digitale Inbox. Genau an diesem Punkt wollen vier Unternehmer aus dem deutschsprachigen Raum ansetzen. Bernhard Schindler, Dr. Alexander Chaloupka, Josef Köppl und Jannis Brendel haben mit swipecor eine Plattform entwickelt, die nach ihrer Vorstellung nicht einfach ein weiteres soziales Netzwerk werden soll. Ihr Anspruch ist größer. Sie wollen die Logik des digitalen B2B-Geschäfts verändern. Und der auffälligste Name innerhalb dieses Systems lautet: swAIper. Ein KI-basierter Business-Agent, der Unternehmen nicht beim Schreiben der nächsten Nachricht helfen soll, sondern ihnen im Idealfall einen großen Teil der Suche gleich ganz abnimmt. Bernhard Schindler beschreibt die Idee entsprechend direkt:
„Wir haben kein Kontaktproblem mehr. Wir haben ein Relevanzproblem. Jeder hat Tausende Kontakte, Hunderte Nachrichten und zig Plattformen. Aber wenn ich heute einen neuen Kunden, einen Cybersecurity-Anbieter, einen Mitarbeiter oder einen Investor brauche, will ich nicht drei Tage suchen. Ich will wissen: Wer passt jetzt zu meinem Bedarf?“
Erst das Unternehmen. Dann der Mensch. Der zentrale Unterschied von swipecor beginnt allerdings noch vor der künstlichen Intelligenz. Er beginnt bei der Frage, wer auf einer Business-Plattform überhaupt im Mittelpunkt stehen sollte. LinkedIn, Xing, Facebook oder Instagram funktionieren im Kern ähnlich: Ein Mensch eröffnet ein Profil. Dieser Mensch baut sein Netzwerk auf. Er veröffentlicht Inhalte. Er sammelt Kontakte. Er kommuniziert. swipecor dreht dieses Prinzip um. Hier eröffnet das Unternehmen einen Space. Dieser Space ist die digitale Basis des Unternehmens innerhalb der Plattform. Das Unternehmen beschreibt, was es anbietet, wen es sucht, welche Kompetenzen vorhanden sind und in welchen Bereichen es aktiv ist. Anschließend werden Mitarbeiter eingeladen. Nicht als isolierte Einzelprofile, sondern als Teil des jeweiligen Unternehmens. Dr. Alexander Chaloupka sieht genau darin einen fundamentalen Unterschied:
„Ein Unternehmen besteht nicht aus dem LinkedIn-Profil seines Geschäftsführers. Es besteht aus Kompetenzen, Mitarbeitern, Abteilungen, Produkten, Dienstleistungen, Herausforderungen und Bedürfnissen. Genau diese wirtschaftliche Realität wollen wir digital abbilden.“
Ein Mitarbeiter aus dem Vertrieb kann sich also mit anderen Vertriebsverantwortlichen verbinden. HR mit HR. IT mit IT. Einkauf mit Einkauf. Geschäftsführung mit Geschäftsführung. Der Mitarbeiter bleibt Teil des Unternehmens-Space – und genau dadurch entsteht aus vielen einzelnen Profilen eine strukturierte Unternehmensidentität. Das klingt zunächst banal. Ist es aber nicht. Denn damit wird aus einem Personen-Netzwerk im Idealfall ein Unternehmens-Netzwerk. Bernhard Schindler beschäftigt sich seit Jahren mit Business-Netzwerken und professionellem Matchmaking. Sein Credo „Ohne Netzwerk kein Erfolg“ – kurz ONKE – bleibt bestehen. Doch seine Vorstellung davon, was ein modernes Netzwerk leisten muss, hat sich verändert.
„Netzwerk bedeutet für mich nicht mehr, möglichst viele Leute zu kennen. Entscheidend ist, ob ich im richtigen Moment mit dem richtigen Menschen oder dem richtigen Unternehmen verbunden werde. 8.000 Kontakte bringen mir nichts, wenn ich den einen nicht finde, den ich gerade brauche.“
Das ist gleichzeitig die vielleicht größte Provokation hinter swipecor. Die Plattform will nicht dazu motivieren, möglichst viele Kontakte anzuhäufen. Sie will sie im Idealfall überflüssig machen. Denn wenn ein intelligentes System relevante Geschäftspartner ohnehin erkennen kann, verliert die Zahl der Kontakte an Bedeutung. Nicht Reichweite entscheidet. Relevanz entscheidet. Und dann ist da diese Funktion, die zunächst gar nicht nach deutscher Mittelstandsdigitalisierung klingt. Der Swipe. Was Millionen Menschen vom Dating kennen, soll bei swipecor Teil des Geschäftslebens werden. Vorschlag ansehen. Interessant? Swipen. Nicht interessant? Weiter. Der Gedanke dahinter ist weniger verspielt, als er klingt. Er soll vor allem ein Problem lösen, das im B2B-Vertrieb inzwischen gigantische Ausmaße angenommen hat: unerwünschte Kommunikation.
Schindler sagt dazu: „Dieses ewige ‚Ich wollte nur noch einmal freundlich nachfragen, ob Sie meine Nachricht gesehen haben‘ geht doch inzwischen jedem auf den Zeiger. Wenn ich Interesse habe und mein Gegenüber auch, dann reden wir miteinander. Wenn nicht, lassen wir uns gegenseitig in Ruhe.“
Deshalb verzichtet swipecor bewusst auf einen klassischen Messenger als zentrales Instrument. Keine weitere Inbox, die jeden Morgen aufgerufen werden muss. Keine Massen an Kontaktanfragen. Keine Nachrichten von Menschen, mit denen man nie kommunizieren wollte. Stattdessen soll zunächst die Relevanz geklärt werden. Matchen sich beide Seiten, entsteht die Basis für ein Gespräch.
Das bekannte Social-Network-Prinzip wird damit umgedreht. Nicht erst schreiben und hoffen. Erst Interesse feststellen – dann miteinander sprechen. Das eigentliche Herzstück der Plattform soll jedoch die künstliche Intelligenz werden. Der swAIper ist als Business-Agent konzipiert. Siri beantwortet Fragen. Alexa spielt Musik, steuert Geräte oder liefert Informationen. swAIper soll dagegen wirtschaftliche Bedürfnisse verstehen und daraus Geschäftsmöglichkeiten ableiten. Ein Unternehmen sucht einen neuen Vertriebspartner? swAIper soll passende Unternehmen finden. Ein Mittelständler braucht Unterstützung bei Cybersecurity? Das System soll relevante Anbieter erkennen. Ein Unternehmen sucht Personal? Passende Unternehmens- und HR-Strukturen sollen zusammengebracht werden. Ein Startup sucht Investoren? Auch daraus sollen künftig Matches entstehen können.
Für Josef Köppl liegt darin der entscheidende Unterschied zwischen einer Spielerei und einem wirtschaftlich relevanten Werkzeug: „Der Mittelstand braucht keine weitere Plattform, auf der seine Mitarbeiter zwei Stunden am Tag verbringen. Technologie hat für mich dann einen Wert, wenn sie Zeit spart und am Ende etwas Konkretes herauskommt: ein Kunde, ein Mitarbeiter, ein Partner, eine Lösung oder ein Auftrag.“
swipecor will damit eine Entwicklung aufgreifen, die weit über Social Media hinausgeht. KI soll künftig nicht nur Texte schreiben oder Daten auswerten. Sie soll handeln. Suchen. Sortieren. Vorschlagen. Priorisieren. Und immer stärker als Agent zwischen Unternehmen agieren.
Wie das funktionieren soll, zeigt ein einfaches Beispiel. Ein mittelständisches Produktionsunternehmen beschäftigt 300 Mitarbeiter. Die Geschäftsführung möchte ihre Cybersecurity überprüfen und möglicherweise erneuern. Heute beginnt häufig ein klassischer Prozess. Google-Suche. Empfehlungen einholen. Webseiten lesen. Anbieter vergleichen. LinkedIn durchsuchen. Kontakt herstellen. Erstgespräch vereinbaren. Präsentationen erhalten. Nachfassen. Vergleichen. swipecor will diesen Weg radikal verkürzen. Das Unternehmen hinterlegt seinen Bedarf. Der swAIper erkennt relevante Anbieter. Die Anbieter erhalten einen passenden Lead beziehungsweise einen Matchvorschlag. Beide Seiten entscheiden, ob sie Interesse haben. Ist das Interesse beidseitig vorhanden, entsteht der Kontakt. Suchen soll damit zunehmend durch Finden ersetzt werden.
Ähnlich soll es im Personalbereich funktionieren. In einem Unternehmen arbeitet ein HR-Team. Im swipecor-Space ist dieser Bereich entsprechend abgebildet. Damit kann das System HR-Verantwortliche nicht nur mit Kandidaten und Dienstleistern zusammenführen, sondern auch mit anderen HR-Verantwortlichen, Recruiting-Spezialisten, Weiterbildungspartnern oder Technologieanbietern.
Dr. Alexander Chaloupka erklärt: „Wir wollen die fachlichen Ebenen eines Unternehmens miteinander verbinden. Wenn ein HR-Leiter eine Lösung sucht, muss er nicht darauf hoffen, zufällig den richtigen Beitrag in einer Timeline zu sehen. Die Plattform sollte verstehen, was er braucht, und ihm relevante Möglichkeiten zeigen.“
Genau hier zeigt sich die Philosophie hinter dem gesamten System: Der Mensch soll nicht mehr möglichst lange auf der Plattform bleiben. Er soll möglichst schnell finden, was er braucht. Ab Oktober wird swipecor zusätzlich mit sogenannten Malls arbeiten. Diese Malls bilden thematische Geschäftswelten. Etwa HR. IT. Cybersecurity. Marketing. Vertrieb. Finanzen. Oder weitere Branchen- und Fachbereiche. Unternehmen können mit ihrem Space an diesen Malls teilnehmen und dort ihre Leistungen beziehungsweise ihren Bedarf sichtbar machen. Das Prinzip erinnert weniger an einen klassischen Marktplatz als an strukturierte Business-Ökosysteme. Wer sich beispielsweise in der HR-Mall bewegt, soll dort nicht durch private Urlaubsbilder, Motivationssprüche oder beliebige Beiträge scrollen. Er befindet sich in einer klar definierten wirtschaftlichen Themenwelt. Die Malls bilden damit eine zweite Ebene des Systems. Der Space sagt, wer das Unternehmen ist. Die Mall sagt, in welchem Markt es gefunden werden möchte.
Mit den sogenannten Stages kommt ein weiterer Baustein hinzu. Unternehmen, Experten und Partner sollen dort Inhalte, Diskussionen, Präsentationen und Formate platzieren können. Allerdings auch hier unter einer anderen Grundidee als in klassischen sozialen Netzwerken. Nicht der einzelne Influencer soll alles dominieren. Relevant ist die Kompetenz des Unternehmens. Damit versucht swipecor, den häufig kritisierten Personenkult klassischer Business-Plattformen zumindest teilweise aufzubrechen.
Schindler formuliert es gewohnt deutlich: „Nicht jeder Geschäftsführer hat Lust, jeden Morgen irgendeinen schlauen Spruch zu posten, nur damit der Algorithmus ihn nicht vergisst. Vielleicht führt er einfach lieber sein Unternehmen. Und vielleicht ist genau das sogar seine Kernaufgabe.“
Mit swipeTop will die Plattform ab Oktober Unternehmen zusätzliche Möglichkeiten geben, Angebote, Produkte und Dienstleistungen gezielt zu präsentieren. Auch dabei steht die Frage im Mittelpunkt: Wie bekommt ein Unternehmen relevante Sichtbarkeit, ohne täglich um Aufmerksamkeit kämpfen zu müssen? Für swipecor gehört genau dieser Kampf um Reichweite zu den Problemen klassischer Social-Media-Systeme. Denn Sichtbarkeit und wirtschaftliche Relevanz sind nicht automatisch dasselbe. Ein Beitrag kann 100.000 Impressionen erreichen und keinen einzigen Auftrag auslösen. Ein einziger relevanter Match kann dagegen Millionen wert sein. Deshalb soll swipeTop Unternehmen dort präsentieren, wo entsprechende Interessen und Bedürfnisse bereits vorhanden sind. Leads werden zur eigenen Wirtschaft innerhalb des Systems swipecor führt außerdem eine eigene interne Mechanik ein: swipecoins. Nutzer können Coins sammeln und diese innerhalb des Systems einsetzen. Dazu gehören unter anderem Empfehlungen und später auch qualifizierte Leads. Je nach Qualität und Relevanz können Leads unterschiedlich bewertet werden. Damit entsteht eine Art wirtschaftliches Belohnungssystem innerhalb der Plattform.
Wichtig ist den Gründern dabei die Abgrenzung: swipecoins sollen kein E-Geld oder Kryptowährungssystem darstellen. Sie sind eine interne Plattformlogik. Wer aktiv ist, Empfehlungen ausspricht oder bestimmte Aktionen durchführt, kann Coins sammeln und diese für Funktionen und Geschäftsmöglichkeiten einsetzen. Zum Start bleibt der wichtigste Punkt jedoch bewusst niedrigschwellig: Der Unternehmens-Space ist kostenlos. Und er soll es bleiben. Jannis Brendel, CFO von swipecor, sieht darin eine wesentliche Voraussetzung für schnelles Wachstum:
„Wir wollen keine Eintrittsbarriere aufbauen. Ein Unternehmen soll innerhalb weniger Minuten seinen Space eröffnen können. Kostenlos. Entscheidend ist, dass möglichst viele Unternehmen ihre Kompetenzen und ihren Bedarf in das System bringen. Je stärker dieses Ökosystem wird, desto besser können auch die Matches werden.“
Warum kostenlos? Die Antwort ist strategisch. Eine Matching-Plattform lebt von Daten, Interessen, Angeboten und Nachfrage. Ein System mit 1.000 Unternehmen kann bestimmte Verbindungen herstellen. Ein System mit 100.000 Unternehmen erheblich mehr. Die kostenlose Basis soll deshalb möglichst schnell Masse schaffen. Die Monetarisierung findet an anderer Stelle statt – unter anderem über Zusatzfunktionen, Leads, Coins und weitere Business-Services. Das Geschäftsmodell folgt damit einer bekannten Plattformlogik: Der Zugang ist einfach. Bezahlt wird dort, wo konkreter Mehrwert entsteht. Kein LinkedIn-Killer – oder vielleicht doch? Natürlich stellt sich bei einem solchen Konzept zwangsläufig die Frage: Braucht die Welt tatsächlich noch ein Business-Netzwerk?
Schindler widerspricht bereits der Formulierung. „Wenn wir einfach ein neues Netzwerk gebaut hätten, würde ich selbst sagen: Lasst es bleiben. Davon gibt es genug. Wir versuchen aber genau das Gegenteil. Wir wollen Menschen nicht noch länger auf einer Plattform halten. Wir wollen sie schneller ins Geschäft bringen.“
Trotzdem ist die Abgrenzung zu LinkedIn offensichtlich. LinkedIn lebt stark von Personen, Content, Reichweite, Personal Branding und Kommunikation. swipecor setzt auf Unternehmen, Bedarf, Matching und Transaktion. LinkedIn fragt vereinfacht: Wen kennst du? swipecor will fragen: Was brauchst du? Das ist ein kleiner sprachlicher Unterschied. Aber wirtschaftlich ein großer. Und Google? Auch Google ist indirekt Teil der Herausforderung. Wer heute einen Anbieter sucht, googelt. Doch Google liefert Suchergebnisse. Der Nutzer muss anschließend selbst entscheiden, welcher Anbieter wirklich zu seiner Situation passt. swipecor will einen Schritt weitergehen. Der swAIper soll nicht möglichst viele Treffer liefern. Er soll möglichst wenige, dafür relevante Matches erzeugen.
Schindler: „Google gibt mir tausend Ergebnisse. Das hilft mir manchmal. Manchmal kostet es mich aber auch zwei Stunden. Ich möchte künftig nicht 1.000 Treffer. Ich möchte drei Unternehmen, die wirklich zu meinem Problem passen.“
Das ist vielleicht die ambitionierteste Vision hinter swipecor. Nicht bessere Suche. Weniger Suche. Bei all den Begriffen – Spaces, Malls, Stages, swipeTop, swAIper, swipecoins – könnte man swipecor zunächst für eine sehr funktionsreiche Plattform halten. Doch reduziert man die Idee auf ihren wirtschaftlichen Kern, geht es um eine einzige Ressource: Zeit. Zeit, die Vertriebsmitarbeiter heute mit Akquise verbringen. Zeit, die Personalabteilungen für Recherche benötigen. Zeit, die Geschäftsführer für Networking investieren. Zeit, die Unternehmen mit der Suche nach Dienstleistern verbringen.
Josef Köppl formuliert es so: „Jede Stunde, die ein Unternehmer mit einer unnötigen Suche verbringt, ist eine teure Stunde. Wenn Technologie zehn Schritte auf zwei reduzieren kann, entsteht echter wirtschaftlicher Nutzen.“
Langfristig will swipecor deshalb deutlich mehr sein als eine Matching-Plattform. Die Gründer sprechen von einem Business Operating System. Ein System, über das Unternehmen Geschäftsanbahnung, Sichtbarkeit, Recruiting, Networking, Expertenaustausch und weitere Prozesse verbinden können. Nicht alles davon muss in einer einzigen Software erledigt werden. Aber swipecor möchte die Schaltstelle dazwischen werden.
Jannis Brendel: „Unsere Vision ist nicht, dass Unternehmen ihre gesamte bestehende Software abschaffen. Unsere Vision ist, dass swipecor versteht, was ein Unternehmen braucht, und an den entscheidenden Stellen Verbindungen herstellt.“
An der Entwicklung wurde nach Angaben des Unternehmens rund 14 Monate gearbeitet. Zeitweise waren rund 200 Entwickler in das Projekt beziehungsweise einzelne Entwicklungsbereiche eingebunden. Das zeigt auch, dass sich hinter der bunten Swipe-Oberfläche technisch deutlich mehr verbergen soll als eine Networking-App. Matchinglogik. KI. Unternehmensstrukturen. Spaces. Mitarbeiterrollen. Malls. Stages. Leadlogik. Coins. Präsentationsfunktionen. Business- und Job-Funktionen.
All diese Elemente sollen Schritt für Schritt in einem System zusammengeführt werden. Der Start erfolgt bewusst nicht mit sämtlichen Funktionen gleichzeitig. Die Plattform wird sukzessive erweitert. Erst sammeln. Dann matchen. Dann Geschäft. Die derzeitige Phase dient vor allem dem Aufbau der Unternehmens-Spaces, dem Sammeln von swipecoins und Empfehlungen. Ab Oktober sollen weitere Funktionen deutlich stärker aktiviert werden. Dann wird sich zeigen, ob aus der großen Idee auch tatsächlich ein funktionierendes digitales Ökosystem entsteht.
Denn genau darin liegt die Herausforderung jeder Plattform: Technologie allein erzeugt noch kein Netzwerk. Ein Netzwerk allein erzeugt noch keine Relevanz. Und Relevanz allein erzeugt noch keinen Umsatz. swipecor muss beweisen, dass der Weg vom digitalen Match bis zum tatsächlichen Geschäft kurz genug ist. Den Gründern ist diese Herausforderung bewusst.
Dr. Alexander Chaloupka: „Die entscheidende Messgröße wird nicht sein, wie viele Minuten jemand in der App verbringt. Spannend wird sein, wie viele relevante Verbindungen entstehen und was Unternehmen daraus machen.“
Das wäre tatsächlich ein bemerkenswerter Paradigmenwechsel. Während klassische Plattformen darum kämpfen, die tägliche Bildschirmzeit ihrer Nutzer zu erhöhen, würde Erfolg bei swipecor im Idealfall bedeuten: App öffnen. Match finden. Geschäft machen. App wieder schließen.
Siri kennt das Wetter. Alexa kennt die Playlist. swAIper soll den nächsten Geschäftspartner kennen. Vielleicht lässt sich die gesamte Vision von swipecor am Ende genau so zusammenfassen. Siri hat Sprachassistenten massentauglich gemacht. Alexa hat den digitalen Assistenten ins Wohnzimmer gebracht. ChatGPT hat Millionen Menschen gezeigt, was generative künstliche Intelligenz leisten kann. Die nächste Entwicklungsstufe könnten KI-Agenten sein, die nicht nur Antworten geben, sondern Aufgaben übernehmen. Und genau hier positioniert sich swipecor. Der swAIper soll nicht nur erklären, wie Vertrieb funktioniert. Er soll Geschäftsmöglichkeiten finden. Er soll nicht nur beschreiben, wie man Mitarbeiter rekrutiert. Er soll relevante Verbindungen herstellen. Er soll nicht erklären, wo ein passender Dienstleister zu finden sein könnte. Er soll ihn vorschlagen.
Bernhard Schindler bringt den Anspruch schließlich auf einen Satz: „Siri sagt mir, wie das Wetter wird. Alexa spielt meine Musik. swAIper soll mir sagen: Bernhard, hier ist jemand, mit dem du Geschäft machen solltest. Und wenn wir das wirklich hinbekommen, brauchen wir im Business sehr viel weniger Suche – und sehr viel mehr Match.“
Vielleicht ist genau das die spannendste Idee hinter swipecor. Nicht noch mehr digitale Kontakte. Nicht noch mehr Content. Nicht noch mehr Nachrichten. Sondern ein System, das versteht, was ein Unternehmen gerade braucht. Siri. Alexa. swAIper. Jetzt bekommt auch die Wirtschaft ihren eigenen KI-Assistenten.








