Kinder von Alleinerziehenden sind am stärksten von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen und müssen deshalb besonders unterstützt werden. Das fordert Eric Großhaus, Experte für Kinderarmut und soziale Ungleichheit bei Save the Children Deutschland, angesichts der neuen Daten des Statistischen Bundesamtes zu Alleinerziehenden in Deutschland.
„Eine Familienform darf kein Armutsrisiko sein. Als Kind eines alleinerziehenden Elternteils in Deutschland aufzuwachsen, bedeutet jedoch genau das. Alleinerziehenden-Haushalte sind mehr als doppelt so oft von Armut betroffen wie Haushalte von Paaren mit Kindern. Doch anstatt diese Familien besonders zu unterstützen, fährt die Bundesregierung Leistungen zurück. Pläne wie Kürzungen beim Unterhaltsvorschuss und die Abschaffung des Kindersofortzuschlags von 25 Euro im Monat schaden vor allem den Kindern und Jugendlichen, die ohnehin nicht die besten Chancen auf Teilhabe und einen erfolgreichen Bildungsweg haben. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wären von der Reform des Unterhaltsvorschusses mehr als ein Fünftel der Familien Alleinerziehender betroffen. Die Bundesregierung lässt sehenden Auges zu, dass Familien, die bisher gerade noch über die Runden kamen, in die Grundsicherung abrutschen könnten.
Diese Familienpolitik ist kurzsichtig. Sie verschenkt das Potenzial von Kindern und Jugendlichen und sie schadet vor allem Frauen, die aktuell mehr als 84 Prozent der Alleinerziehenden ausmachen und sogar häufiger in Vollzeit arbeiten als Frauen in Paarbeziehungen. Alleinerziehende übernehmen Tag für Tag die volle Verantwortung für ihre Familie und haben schon jetzt Schwierigkeiten, alle Anforderungen unter einen Hut zu bekommen. In so einer Situation macht jede Unterstützung einen Unterschied.
Eine familienfreundliche Politik sorgt für Entlastung statt Belastung. Dafür braucht es neben ausreichenden Betreuungsangeboten eine angemessene finanzielle Unterstützung, weniger Bürokratie bei Familienleistungen sowie einen besseren Zugang zu Freizeit-, Sport- und Gesundheitsangeboten, um Kinder bestmöglich zu fördern. Die Bundesregierung sollte vulnerable Gruppen unterstützen, anstatt auf deren Kosten zu sparen. Das wäre nicht nur aus sozialstaatlicher Perspektive geboten, sondern die nachhaltigste Zukunftsinvestition.“








