Bestände steigen leicht – Luchse nach wie vor vom Aussterben bedroht
- Alle Luchse in Deutschland gehen auf Auswilderungen zurück
- Großkatzen nicht so wanderfreudig wie etwa Wölfe
- Wälder vernetzen – mehr Grünbrücken für sichere Wanderrouten bauen
Berlin. Zum Internationalen Luchstag am 11. Juni zieht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine gemischte Bilanz: Die Bestände wachsen leicht, doch Luchse sind immer noch sehr stark auf menschliche Unterstützung angewiesen – im Gegensatz zu anderen rückkehrenden Arten wie Wildkatze, Wolf oder Seeadler, die in den letzten Jahrzehnten bereits viele Teile ihrer alten Heimat erfolgreich wiederbesiedelt haben.
Friederike Scholz, Wildtierexpertin beim BUND: „Luchse waren bei uns vollständig ausgerottet. Die wenigen Tiere in unseren Wäldern stammen alle von früher ausgewilderten Tieren ab oder sind kürzlich ausgewildert worden“.
Luchse breiten sich nur langsam aus. Die großen Katzen sind nicht so wanderfreudig wie zum Beispiel Wölfe. Besonders die Weibchen bleiben gerne in der Nähe ihrer Geburtsorte. Von den meist zwei bis vier Jungtieren überlebt oft nur eines bis zur Geschlechtsreife.
Scholz: „Luchse haben es bei uns nach wie vor schwer: Straßen, Siedlungen, Industrie- und Gewerbegebiete versperren wandernden Tieren den Weg. Sie werden überfahren, vereinzelt immer noch illegal getötet oder kommen anderweitig um.“
Jüngstes Beispiel ist ein Fund in Hessen: Dort wurde der abgetrennte Kopf eines Luchses an einer Waldeinfahrt gefunden. Wie der Luchs zu Tode kam, ist bislang völlig unklar. Fest steht aber, dass es sich um ein wildlebendes Tier handelt, das der Harzpopulation entstammt.
Auswilderungsprojekte spielen daher eine zentrale Rolle bei der Rückkehr der Luchse. Denn an geeigneten Wäldern mangelt es nicht.
Der BUND fordert daher:
- Der Luchs soll in Deutschland in allen geeigneten Lebensräumen wieder vorkommen
- Wälder müssen vernetzt und mehr Grünbrücken für sichere Wanderrouten gebaut werden
- Konsequente strafrechtliche Verfolgung illegaler Tötungen
- Mehr Toleranz gegenüber einem Beutegreifer wie dem Luchs als Teil unserer Natur
- Weitere Auswilderungen von Luchsen für eine stabile mitteleuropäische Population
Positive Entwicklung gibt es insbesondere in Thüringen: Das „Luchs Thüringen-Projekt“ von BUND, WWF und vielen anderen Partnern hat seit 2022 bereits sieben Luchse ausgewildert. Auch der erste Nachwuchs wurde schon dokumentiert. In Nordrhein-Westfalen koordiniert der BUND die Gespräche zu einem neuen Auswilderungsprojekt. Das Projekt „Luchsland Sachsen – Entdecke die Welt der Pinselohren!“ des BUND Sachsen möchte mit Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit die Akzeptanz des Luchses in der Bevölkerung stärken. Hessen und Bayern sind weitere wichtige Schwerpunkte in der Luchsarbeit des Verbandes.







