Aktuelle Infos für Wander-Apps DBU-Projekt bringt Streckenupdates für Schutzgebiete
© Markus Pöhlking/DBU

Aktuelle Infos für Wander-Apps DBU-Projekt bringt Streckenupdates für Schutzgebiete


Naturschutzgebiete stehen bei Wanderern und Radlern hoch im Kurs. Zugleich dienen die Gebiete vorrangig dem Schutz bedrohter Arten und sensibler Öko-Systeme. Zuständigen Naturschutzbehörden haben daher Regeln festgelegt für Besucher. Die allerdings planen Wander- und Radtouren immer häufiger über Outdoor-Apps und Kartendienste, in denen amtliche Informationen über die Begehbarkeit von Routen nicht zwingend auf aktuellem Stand sind. Ein von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördertes Projekt des Vereins Digitize the Planet bündelt aktuell relevante Routeninfos verantwortlicher Akteure in einer Open-Data-Lösung. Kartendienste und Outdoor-Apps können sie dann einfach integrieren.

Naturschutzgebiete zählen zu den populären Zielen für Erholungsuchende

Für Aktivität und Erholung zieht es viele Menschen in die Natur. Besonders populäre Zielen sind Schutzgebiete: Fast 700 Millionen Besuchertage entfallen in Deutschland jährlich auf Nationalparks und andere Großschutzgebiete. Das ist das Ergebnis einer 2025 veröffentlichten Studie der Stiftung Deutsche Nationale Naturlandschaften. So sind Schutzgebiete auch ein erheblicher Wirtschaftsfaktor: Besucher sorgen in den entsprechenden Regionen für einen Umsatz von jährlich gut 14 Milliarden Euro. Ein großer Andrang auf Flächen also, die primär für Naturschutz eingerichtet sind. „Der Besuch von Schutzgebieten führt uns vor Augen, wie wichtig und wertvoll eine intakte Umwelt ist“, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Es sei daher und richtig gut, dass sie für die Öffentlichkeit zugänglich seien. „Es muss aber sichergestellt sein, dass Besucher den ursprünglichen Zweck dieser Flächen, nämlich den Naturschutz, nicht gefährden“, so Bonde. Damit Regeln und Einschränkungen greifen könnten, müssten sie dort nachvollziehbar erläutert und kommuniziert werden, wo sie ihre Zielgruppe auch erreichen. Also etwa in Kartendiensten und Wander-Apps, mit denen immer mehr Menschen navigieren und ihre Touren planen.

Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert Open-Data-Projekt mit 150.000 Euro

Genau da setzt ein aktuelles Open-Data-Projekt des Berliner Vereins Digitize the Planet an, das die DBU mit fast 150.000 Euro fördert. Ein Ziel: Naturschutzinformationen digitalisieren und frei ins Netz stellen. Die Verfügbarkeit dieser Infos soll den Druck auf Schutzgebiete abfedern und Besucherströme besser managen. Die Digitize Platform ist dazu seit dem Jahr 2024 frei verfügbar. Darin sind bislang mehr als 400 Schutzgebiete in Deutschland und einigen weiteren EU-Ländern kartiert, samt der dort dauerhaft geltenden Regeln und Bestimmungen. Das aktuelle Förderprojekt will nun auch kurzfristige, vorübergehende Regelungen digitalisieren: etwa Wegsperrungen, die sich aus Gefahrenlagen ergeben oder die für die Dauer der Brut- und Setzzeit eingerichtet sind.

Topaktuelle Infos über Streckenabschnitte – zum Beispiel wegen eines Felssturzes

Dazu hat der Berliner Verein seine Plattform so weiterentwickelt, dass die jeweils für ein Schutzgebiet verantwortlichen Stellen ihre Informationen tagesaktuell und mit wenigen Klicks übermitteln können. Über die Digitize Platform können die Infos dann umgehend von Kartendiensten und Outdoor-Apps übernommen werden. „Dem Benutzer wird bei der Planung oder beim Navigieren also angezeigt, dass ein bestimmter Streckenabschnitt, ein Punkt oder ein Gebiet gesperrt ist, beispielsweise wegen eines Felssturzes“, erklärt Tom Müller, der bei Digitize verantwortlich ist für die technische Entwicklung. Der Verein erwartet, dass die neue Funktion der Plattform Regelbrüche minimiert: Wer rechtzeitig über Sperrungen Bescheid weiß, kann schließlich alternative Routen wählen und kommt nicht so schnell in Versuchung, eine Sperrung zu ignorieren. Für Digitize bestand laut Müller eine wesentliche Herausforderung im laufenden Projekt darin, Schnittstellen zu entwickeln, die eine Vielzahl verschiedener Datenformate aufnehmen und diese anschließend einheitlich in der Digitize Platform abbilden. Und zwar in einer Darstellung, die dann wiederum für verschiedene Kartendienste und Apps gleichermaßen integrierbar ist. Erste Outdoor-Apps nutzen bereits die Digitize-Version mit aktuellen Wegeinformationen, weitere zeigen Interesse. Weil es sich um ein Open-Data-Projekt handelt, steht die Nutzung grundsätzlich jedem Anbieter offen.

Lösung mit Mehrwert für Nutzer, Naturschutzgebiete und Umwelt

Der zuständige DBU-Fachreferent Dr. Steffen Walther betont den Modellcharakter des Projektes: „Die Plattform ermöglicht es verschiedenen naturschutzfachlichen Akteuren, Informationen mit sehr geringem Aufwand dort zu platzieren, wo ihre Zielgruppe ist – nämlich in digitalen Diensten zur Tourenplanung.“ Das sei aus Nutzersicht sehr vorteilhaft und komfortabel. Er erwartet, „dass Anbieter von Kartendiensten und Outdoor-Apps entsprechende Eigenschaften dauerhaft in ihre Produkte integrieren.“ Die Digitze Platform wirke zugleich zielgerichtet und konkret auf Probleme, mit denen die Verwaltungen von Schutzgebieten konfrontiert sind, sagt Steffen. „Das bedeutet zugleich eine positive Wirkung auf die Umwelt, weil etwa Parks durch Besuchersteuerung die Belastung in Schutzgebieten besser managen können.“ Zudem könnten zusätzliche Schutzgebiete jederzeit integriert werden, wie auch andere Funktionen. Das sorge für eine gute Skalierbarkeit der Plattform. Das Digitize-Förderprojekt ist Teil der neuen DBU-Förderinitiative „Digital.Natur.Landschaften“. Sie zielt darauf, das Potenzial großer Datenmengen für den Schutz von Klima, Umwelt und Biodiversität zu nutzen und digitale Technologien so weiterzuentwickeln, dass sie ökologisch und ökonomisch Wirkung entfalten.


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