Migräne: Viel Schmerz, (zu) wenig Therapie
© djd/AbbVie/Getty Images/fizkes

Migräne: Viel Schmerz, (zu) wenig Therapie


Nur jede/r neunte Betroffene erhält eine umfassende Versorgung

Starke, pulsierende Kopfschmerzen, Übelkeit, Lichtscheu und Geräuschempfindlichkeit: Weltweit werden etwa eine Milliarde Menschen von Migräne gequält. Ihr Leidensdruck ist oft enorm, denn die Symptome und die ständige Angst vor neuen Attacken schränken das ganze Leben ein. Doch trotz alldem wird Migräne oft nicht richtig ernst genommen. So befand sich im Jahr 2021 nur knapp ein Drittel der Patientinnen und Patienten in ärztlicher Betreuung. Und nur jede/r neunte Betroffene erhielt eine umfassende Versorgung von der Anamnese über die korrekte Diagnose bis zur geeigneten Therapie.

Wenn Medikamente Kopfschmerzen auslösen

Für viele Menschen mit Migräne reichen Schmerzmittel oder Triptane zur Akutbehandlung aus. Werden diese jedoch zu häufig eingenommen, können sie selbst weitere Kopfschmerzen auslösen. So kann ein Teufelskreis entstehen. „Ich habe häufig Kopfschmerzen, nehme deshalb häufig Medikamente – und habe noch öfter Kopfschmerzen“, erklärt dazu Dr. Charly Gaul, Neurologe und Mitgründer des Kopfschmerzzentrums Frankfurt. „Mittlerweile gibt es jedoch neue Medikamente aus der Wirkstoffgruppe der Gepante, die langanhaltend und auch bei wiederholten Attacken helfen. Sie sind gut verträglich und verursachen nach bisherigen Erkenntnissen bei häufigem Gebrauch selbst keine Kopfschmerzen.“

Unzureichende Therapie ansprechen

Gaul rät Erkrankten deshalb, am Ball zu bleiben: „Als Arzt kann ich natürlich nur auf das reagieren, was ich weiß. Deswegen ist es wichtig, gemeinsam Ziele zu erarbeiten. Betroffene können im Gespräch zum Beispiel sagen, dass das bisherige Medikament die akuten Schmerzen nicht ausreichend reduziert oder sie besonders stark unter der Übelkeit leiden.“ Aber auch die behandelnden Ärztinnen und Ärzte sollten regelmäßig nachfragen, ob die aktuelle Migränetherapie wirklich schmerzfrei macht und wie zufrieden die Betroffenen mit der Behandlung sind.

Individuelle Lösungen finden

Zusammen könne man auf diese Weise analysieren, was gut läuft und was nicht, und schauen, an welcher Schraube sich drehen lässt. „Das kann eine Veränderung der Dosis, ein anderer Einnahmezeitpunkt oder auch ein Wechsel der Substanz sein“, so der Neurologe. Da die Entscheidung bei jeder Patientin und jedem Patienten individuell getroffen werden muss, sei eine gute Kommunikation gerade in der hausärztlichen Praxis ausschlaggebend.


Share